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  • Christian Messmer

Europas schönste Friedhöfe – Teil 1

Aktualisiert: 15. Sept. 2023

Friedhöfe üben einen besonderen Charme auf Besucher aus. Manche empfinden das vielleicht etwas morbide, andererseits sind Friedhöfe gerade in der heutigen Zeit wertvolle Rückzugsorte für Menschen und Natur. Hier wird Zeit greifbar. Geschichte, Architektur und Natur gehen Hand in Hand. Grabstätten waren und sind immer ein Spiegel ihrer Zeit. So dienen Friedhöfe auch als eine Art Freilichtmuseum für Kunst und Kunstgeschichte. Wir haben uns die schönsten Friedhöfe Europas ausgesucht und versuchen herauszufinden, was sie so besonders macht. Im ersten Teil dieser Serie beleuchten wir Österreichs schönste Friedhöfe, denn da gibt es einige, die zurecht zu den schönsten Europas gehören.


Salzburg: Stiftsfriedhof St. Peter

Dieser Friedhof ist wohl einer der ältesten christlichen Begräbnisstätten Europas. Er geht wahrscheinlich auf ca. 700 n. Chr. zurück (erster urkundlicher Nachweis 1139). Der älteste noch erhaltene Grabstein stammt von Abt Dietmar aus dem Jahr 1288. Immerhin finden auf dem eher kleinen Gelände vier Kapellen von der Romanik bis zur Renaissance Platz. Besonders hervorzuheben sind die sogenannten Katakomben, in den Berg hineingehauene Höhlen mit Gängen und drei unterirdischen Kapellen. Gräber berühmter Persönlichkeiten wie das von Michael Haydn oder von Nannerl, der Schwester von Wolfgang Amadeus Mozart, sind hier zu finden. Der Friedhof liegt sehr ruhig am Fuße des Mönchsbergs und erfreut sich großer Beliebtheit als Reiseziel, nicht zuletzt wegen der nahegelegenen Mönchsbergwand mit den Katakomben und der darüber thronenden Festung Hohensalzburg.

Stiftsfriedhof St. Peter | © Albert Gollackner


Salzburg: St. Sebastian Friedhof

Der heilige Sebastian war der Schutzpatron gegen die Pest. Daher nimmt man an, dass dieser Friedhof früher ein Pestfriedhof war. Er wurde 1511 eröffnet und später unter Fürsterzbischof Wolf Dietrich im Stil der Renaissance als sogenannter Camposanto neugestaltet. Er liegt direkt neben der St. Sebastian Kirche an der Linzer Gasse und ist von einer hohen Mauer umgeben. Diese Ruheoase in der Stadt besitzt ein besonderes Flair mit ihrem umgebenden Arkadengang, den dort angelegten, imposanten Grüften, dem alten Gräberfeld mit Wiesen und Bäumen und der schönen Gabrielskapelle im Zentrum. In der Kapelle liegen die sterblichen Überreste Fürsterzbischofs Wolf Dietrich in einem Sarkophag. Weitere hier begrabene Berühmtheiten sind Paracelsus und die Witwe von Mozart.

St. Sebastian Friedhof mit Kapelle, Arkardengang und dem Grab Mozarts Witwe | © Albert Gollackner & salzburg.info


Salzburg: Kommunalfriedhof

Der 1878 eröffnete Kommunalfriedhof gilt als einer der schönsten Friedhöfe Europas. Das verdankt er vor allem den roten Backsteinmauern, stimmungsvollen Arkaden, kunstvoll geschmiedeten Toren und dem schön angelegten Gelände mit seinem parkähnlichen Charakter. In diesem Gesamtkunstwerk verschmelzen Grabstätten und Natur ästhetisch miteinander. Auf dem gesamten Friedhof gibt es viele kunstvolle Grüfte, Gräber, Malereien und Skulpturen zu entdecken. Ein Beispiel ist die große Engelsskulptur von Franz Melintzky im anonymen Urnenfeld. Bekannte hier begrabene Namen sind Laszlo Ede Graf Almásy, dessen Leben im Hollywoodfilm "Der englische Patient" verfilmt wurde, oder das Grab von Karl Heinz Böhm, Schauspieler und Gründer von "Menschen für Menschen."

Arkardengang mit Grüften | © Georg Strobl

Wien: Zentralfriedhof

Der Wiener Zentralfriedhof ist gar nicht so alt, wie man glauben könnte. Er wurde 1874 eröffnet und zählt heute mit ca. drei Millionen Verstorbenen und 333.000 Grabstellen zu den größten Friedhöfen Europas. Prägend für diesen Ort sind nicht nur seine enormen Ausmaße, sondern auch die zahlreichen Jugendstil-Bauwerke und die reiche Tier- und Pflanzenwelt. Neben Eichhörnchen und Feldhamstern sind hier auch Turmfalken, Dachse und Rehe anzutreffen! Radfahren ist übrigens ausdrücklich erlaubt, und es gibt sogar eine eigene Buslinie, die nur hier verkehrt. All das macht den Friedhof zu einem beliebten Naherholungsort für die Wiener. Ein weiteres Highlight sind die vielen Ehrengräber von Politikern, Künstlern und vor allem berühmten Musikern wie Beethoven, Brahms, Schubert, Strauss Vater und Sohn, Joe Zawinul, Falco oder Udo Jürgens. Es ist wohl auch der einzige Friedhof, dem ein eigener Song gewidmet wurde (Wolfgang Ambros: "Es lebe der Zentralfriedhof)."

Rehe am Zentralfriedhof | © wikimedia

Wien: Sankt Marxer Friedhof

Dieser ehemalige Biedermeierfriedhof aus dem Jahr 1784 befindet sich im dritten Bezirk und steht unter Denkmalschutz. Die teilweise verfallenen Gräber und die verwilderten Bäume und Sträucher verleihen diesem Ort etwas Mystisches. Er hat aber auch eine offenkundig bunte und fröhliche Seite, denn hier befindet sich die größte Ansammlung von Fliederbäumen in ganz Wien. Bei einem Besuch im April oder Mai kann man dann eine grandiose Blütenvielfalt bestaunen, die ihresgleichen sucht. Und mit Prominez, ja mit einem wahren Genie, kann man hier auch glänzen: Auf diesem Friedhof ist Wolfgang Amadeus Mozart begraben. Wo? Das weiß man leider nicht genau! Der exakte Standort im Areal ist nicht bekannt, da er in einem nicht gekennzeichneten Massengrab beerdigt wurde. Die von Experten vermutete Stelle wird heute durch ein Grabdenkmal markiert, das zum hundertsten Geburtstag Mozarts errichtet wurde.

Fliederblüte am Sankt Marxer Friedhof | © wikimedia


Sie sind schon gespannt auf den zweiten Teil dieser Serie? Dann dürfen Sie sich sehr bald auf neuen Lesegenuss freuen ...

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