Die "Katakomben" von St. Peter – Höhlen voller Spiritualität und Legenden
- Christian Messmer
- 11. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Dez. 2025
Inmitten der ältesten christlichen Begräbnisstätte Salzburgs, befindet sich in der Felswand des Festungsbergs ein einzigartiges Höhlensystem mit rituellen Räumen – die „Katakomben“ von St. Peter. Wenig Gesichertes weiß man über sie, aber vieles gibt es zu erzählen. Folgen Sie uns zu einer kleinen Höhlenexpedition in die Salzburger Geschichte.
Der heutige Wissensstand
Sicher ist, dass es die „Katakomben“ schon seit der Zeit der römischen Siedlung Iuvavum, gibt. Man nimmt an, dass bereits kleinere natürliche Höhlen an dieser Stelle vorhanden waren. Diese natürlichen Aushöhlungen wurden nach und nach erweitert und in das Konglomeratgestein des Festungsbergs geschlagen. Anders als der erst im 19. Jahrhundert verwendete Name vermuten lässt, waren sie aber keine Begräbnisstätte, oder Zufluchtsstätte von verfolgten Christen, sondern ein Ort frühchristlicher Versammlungen bzw. ein Ort in dem sich Mönche als Einsiedler zurückzogen. Der Name „Katakomben“ ist somit also irreführend. Richtiger wäre sie als Einsiedelei zu bezeichnen. In Fachkreisen wird übrigens der Begriff „Eremitorium“ verwendet (abgeleitet von Eremiten).

Die Legende
Dem Mythos nach wurde die Einsiedelei vom heiligen Maximus und seinem Gefolge benutzt, der sich 477 nach Christus bei einem Angriff der Germanen mit 55 Gefährten von diesen Felsen gestürzt und damit den Märtyrertod gewählt haben soll. In der Maximuskapelle soll nach dieser Erzählung auch das Grab des Maximus liegen. Diese Geschichte hat aber nie in Salzburg, sondern in Schlögen an der Donau stattgefunden. Die fälschliche Angabe geht auf Kilian Püttricher den damaligen Abt von St. Peter zurück, der die beiden Ortsnamen Ioviacum und Iuvavum sowie die Personen Maximus und den Priester Maximianus verwechselte und diese Geschichte im 16. Jahrhundert nach Salzburg verlegte.
Die Tontafel in der Maximuskapelle ist noch heute Zeugnis dieses Irrtums. Auf Ihr steht geschrieben: „Im Jahr 477 als Odoaker, König der Ruthenen, Geppiden, Goten, Ungarn und Heruler, wider die Kirche Gottes wütete, stürzte sich der seligen Maximus mit fünfzig Gefährten von dieser Höhle, wo sie verborgen waren, ob ihres Glaubens grausam in die Tiefe. Und sie zerstörten mit Feuer und Schwert die Provinz Noricum.“

Das Höhlensystem
Direkt vom Friedhof St. Peter tritt man über die Kommunengruft in die Katakomben ein. Später wurde diese Gruft eine Grabstätte für Persönlichkeiten, die keine eigene Arkadengruft besaßen. So sind dort auch Johann Michael Hayden, Mozarts Schwester Maria Anna „Nannerl“ und der für Salzburg so berühmte Baumeister Santino Solari begraben.

Über 48 unebene Stufen geht es dann hoch zur Gertraudenkapelle. Diese wurde 1178 dem Erzbischof von Canterbury Thomas Becket geweiht. Freskenreste mit der Darstellung des Martyriums Thomas Beckets sind Zeugnisse dieses Aktes. Zudem soll sie auch dem heiligen Patrick von Irland geweiht sein. Diese Kapelle beherbergt auch ein Pultdach mit Glockentürmchen, einen im 17. Jh. eingefügten romanischen Pfeiler sowie einen romanisch-gotischen Altar und sechs Rundbogennischen im historisierenden Stil (beide aus den 1860er Jahren). Nach einem Felssturz war die Kapelle teilweise offen und wurde wieder zugemauert. Hier finden auch heute noch regelmäßig Messen, sowie Konzerte statt.

Über weitere 36 Stufen führt der Weg über eine kleine Aussichtsplattform schließlich zur Maximuskapelle, dem höchstgelegenen Andachtsraum. Hier findet sich die Gedenktafel samt Legendengeschichte des hl. Maximus. Ebenso zu sehen ist eine Rundapsis und eine Nische, die wohl als Schlafstätte der Eremiten diente. Die Tonaltäre wurden, wie auch jene in der Gertrudenkapelle in den 1860er Jahren geschaffen. Die dritte Kapelle, die sogennante Ägydiuskapelle auf der untersten Ebene, ist für die Öffentlichkeit leider nicht zugänglich.

Die „Katakomben“ von St. Peter sind noch immer ein mysteriöser Ort mit spirituellrn Aura und können gegen einen geringen Eintritt (Erwachsene € 2,00 | Stand 2025) das ganze Jahr über besucht werden. Auf jeden Fall verdienen sie das Prädikat "sehenswert" und sind sowohl für Einheimische als auch für Gäste unserer schönen Stadt einen Besuch wert.





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