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  • Christian Messmer

Warum ist Salzburg so italienisch?

Aktualisiert: März 25

Die Schönheit der Stadt Salzburg beruht auf ihrer Lage, ihrer Geschichte und vor allem auf dem Glanz ihrer Bauwerke, Plätze und Gärten. Diese entstanden durchwegs während der Blütezeit der Erzbischöfe. Und die waren fasziniert und inspiriert von den barocken Städten Italiens. Bei einem Spaziergang durch die Stadt kann man auch heute noch viele Zeugen italienischer Baukunst entdecken. Deshalb wird Salzburg manchmal als Rom des Nordens bezeichnet. Ob dieser Vergleich passend ist, sei dahingestellt – Fakt ist aber, dass Salzburg zu großen Teilen auf italienischen Grundfesten gebaut ist. Von diesen italienischen Wurzeln wollen wir in diesem Blogbeitrag erzählen. Viel Spaß beim Lesen oder wie die Italiener sagen: „Divertiti leggendo“!


Die ersten Italiener

Schon lange vor dem Barock kann Salzburg italienische Wurzeln vorweisen. Grund dafür sind die Römer, die das keltische Gebiet um ca. 15 v. Chr. besetzten und es Iuvavum tauften. Die Römerstadt Iuvavum hatte etwa 4.000 Einwohner und erstreckte sich wohl vom heutigen Mülln bis ins Nonntal sowie auf Teile der Stein- und Linzergasse. Sie verfügte über großzügige Plätze, Tempel, Thermen und wahrscheinlich auch eine Basilika. Alles, was eine Römerstadt eben ausmacht. So zum Beispiel auch ein Tempel zu Ehren des Gottes Asklepios auf dem Gebiet des heutigen Mozartkinos, in welchem es darum auch noch heute einen Römersaal gibt. Das römische Iuvavum bestand bis ca. 400 n. Chr. Dann verlor das Römische Reich zusehends an Macht und das Stadtgebiet wurde ungeschützt vor Einfällen und Plünderungen aufgegeben. Erst mit der Gründung des Stiftes Sankt Peter und des Bistums Salzburg durch den heiligen Rupert um 696 n. Chr. gewann Salzburg wieder an Bedeutung. Zwischen 712 und 715 schuf Rupert übrigens auch das Stift Nonnberg, welches heute als das älteste ununterbrochen bestehende christliche Frauenkloster der Welt gilt.

Unter Wolf Dietrich zum Barock

Wir machen nun einen großen Zeitsprung von den Römern bis zum Ende des 16. Jahrhunderts in die Zeit des Überganges von der Renaissance zum Barock. Der aus der Bodenseeregion stammende Adelssohn Wolf Dietrich von Raitenau wurde nach Pavia und später nach Rom zum Studieren geschickt. Dort kam er in Kontakt mit der italienischen Lebensart, Kunst und Architektur.

Als junger Erzbischof beauftragte er wohl auch deshalb den italienischen Architekten Vincenzo Scamozzi zusammen mit dem Baumeister Elia Castello, um den 1598 abgebrannten Salzburger Dom neu zu bauen und einen ganzen Domdistrikt zu errichten. Zu diesem Zweck wurden gemeinsam mit der Domruine 55 angrenzende Häuser, Teile des Domklosters am Kapitelplatz und der Domfriedhof am Residenzplatz abgetragen. Als Ersatz für den Friedhof hatte Wolf Dietrich den Sebastiansfriedhof in der rechten Altstadt anlegen lassen. Die ursprünglichen Dombaupläne von Scamozzi zeigen einen riesigen venezianischen Renaissance-Bau. Die ambitionierten Pläne waren aber nicht im Sinne des Fürsterzbischofs, der südausgerichtete Fundamente für einen kleineren Dom errichten ließ.

© Isabella Huber

Dieser Bau konnte aber nicht fortgeführt werden, denn ausgelöst durch einen Konflikt mit den Bayern verbrachte Wolf Dietrich die restlichen Jahre seines Lebens in Gefangenschaft. Davor legte er in 25 Jahren Regentschaft den Grundstein für viele bedeutende Salzburger Bauwerke im frühen italienischen Barockstil. Dazu gehören der Salzburger Dom (Abriss, Planung und erste Fundamente), Domplatz, Residenz, Residenzplatz, Kapitelgasse, Hofstallgasse und das heutige Schloss Mirabell (damals Schloss Altenau). Damit gründete er die erste Barockstadt Mitteleuropas!



Markus Sittikus „barockt“ weiter

Markus Sittikus Graf von Hohenems war der Neffe von Paris Lodron. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, seinen von den Bayern an den Papst übergebenen Cousin bis zu seinem Tod auf der Festung gefangen zu halten. Grund dafür war wohl die Angst vor Unruhen, wenn man den gut vernetzten Wolf Dietrich freilassen würde. Auch Markus Sittikus war italienisch geprägt (er sprach sogar besser Italienisch als Deutsch) und setzte die Bautätigkeit zusammen mit Santino Solari fort. So ließ er die Domfundamente Wolf Dietrichs entfernen und begann 1614 mit der ostausgerichteten Grundsteinlegung im Stile des neuen Barock.

Portrait von Fürsterzbischof Markus Sittikus mit Dombaufortschritt (Bild im Bild). Original im Schloss Hellbrunn.

In den sieben Jahren seiner Regierung wurden die Arbeiten an der Residenz fortgeführt, drei Kirchen errichtet (keine davon steht heute noch) und vor allem das berühmte Schloss Hellbrunn samt Schlosspark und Wasserspielen erbaut. Dieses wurde nach den Vorbildern römischer Landvillen im Stil einer klassischen „villa suburbana“ am Stadtrand gestaltet. Es ist der Inbegriff barocker Lebensfreude! Für die Innenausstattung wurde mit Fra Arsenio Mascagani ein italienischer Künstler engagiert, der später im Dom die herrlichen Deckenfresken schuf. Hellbrunn ist sicher eines der bedeutendsten Werke von Hofbaumeister Santino Solari, einem Vertreter der Magistri Comacini – bedeutende Architekten, Baumeister und Steinmetze aus dem Gebiet der oberitalienischen Seen.



Rekordbau unter Paris Lodron

Nach dem plötzlichen Tod von Markus Sittikus folgte 1619 Paris Graf von Lodron als Fürsterzbischof nach. Keine einfache Zeit, denn sie lag am Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Paris Lodrons größter Verdienst ist es wohl, dass er Salzburg durch geschickte Diplomatie und Ausgleichszahlungen aus den Kriegswirren heraushielt. Auch er hatte Bezug zu Italien, stammte er doch aus einer trentinischen Adelsfamilie und studierte in Trient und Bologna. Zusammen mit Hofbaumeister Santino Solari führte er den Dombau in Rekordzeit weiter. Obwohl die Türme erst bis zum Glockengeschoss fertig waren und die Altarausstattung der Seitenschiffe noch fehlte, ließ er den Salzburger Dom 1628 einweihen. Die Arbeiten ruhten dann bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, sodass der Dombau schließlich 45 Jahre später komplett vollendet wurde. Die kurzen 14 Jahre Bauzeit bis zur Einweihung sind aber trotzdem auch in Anbetracht der damaligen Zeit erstaunlich. Wie war das möglich? Die Antwort findet man bei den Steinmetzen, welche lokale Ressourcen wie den Untersberger Marmor und das Konglomerat der Stadtberge als Baustoff nutzten. Sie richteten eine Vorortbaustelle ein und somit war das Baumaterial immer nah und griffbereit. Was in dieser kurzen Zeit erschaffen wurde, ist nichts Geringeres als das erste große Barockbauwerk außerhalb Italiens!

Innenansicht des Salzburger Domes. Quelle: askideas.com

Eine Prise Salisburgo

Auch später wurde noch im Sinne des Barockes in Salzburg weiter- und umgebaut, doch diese drei Erzbischöfe und Ihre italienischen Architekten und Baumeister sowie ansässige Steinmetze und Künstler sind die Begründer dessen, worauf die Schönheit und das Flair Salzburgs noch heute beruhen. Vielleicht entdecken auch Sie beim nächsten Besuch der Altstadt ein Stück Italien in unserem wunderschönen Salzburg.

Die Salzburger Steinmetze sehen sich in der Tradition der alten Baumeister. Sie setzten ihr Meisterhandwerk mit Ergänzungen und Renovierungen an Baudenkmälern sowie der sakralen Steinkunst am Friedhof mit weit über die Landesgrenzen bekannten Barocksteinen und -Sockeln fort.


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