Die Seele des Friedhofs einfangen
- Christian Messmer & Cora Gollackner
- vor 24 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Cora Gollackner ist Steinmetzin. Aber das ist nicht alles. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit widmet sie sich seit vielen Jahren auch intensiv der Fotografie. Mit Ihrer Kamera ist sie dabei stets auf der Suche nach dem Besonderen, das anderen oft verborgen scheint. Eine magische Stimmung am Morgen. Ein Lichtstrahl, der ein sonst im Schatten liegendes Detail erhellt. Ein kurzer Moment, in dem sich die Schönheit offenbart. Ihr bevorzugtes Terrain scheint auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich – Friedhöfe.

Cora erklärt Ihre Leidenschaft so: „Neben der Stille und Einsamkeit die auf einem Friedhof herrscht, sind es die Arbeiten der Steinmetze, Bildhauer und Metallbetriebe, die mich in ihren Bann ziehen.“ Figuren, Skulpturen und Details historischer Grabmäler sind ein Spiegel der Kunst- und Handwerksgeschichte vieler Jahrhunderte. Man könnte sagen, hier versammeln sich stille Zeitzeugen auf eine ganz eigentümlich schöne Art. Der Ausstellungsraum befindet sich unter freiem Himmel und schafft eine Atmosphäre des inneren Friedens, in der sich der Blick auf das Wesentliche fokussieren kann.
Faszination Friedhof
Mit Ihrem ungewöhnlichen Hobby kommt Cora Gollackner ganz schön rum. Friedhöfe in Österreich und ganz Europa hat sie bereits fotografiert und einmal sogar in Mexiko. Ihre Lieblingsfriedhöfe sind der Friedhof Ohlsorf in Hamburg, Cimiterio Monumentale in Mailand, Santa Anna in Triest und natürlich der Kommunalfriedhof in Salzburg. Diesen kennt sie wie ihre Westentasche, liegt er doch nur wenige Gehminuten von Ihrem Zuhause entfernt. Hier ist sie vor allem in den frühen Morgenstunden unterwegs, um den Zauber der Stille zu dokumentieren. Dieser zeigt sich als Nebel zwischen Grabsteinen, Raureif auf schmiedeisernen Kreuzen oder einfach in kleinen Dingen. Man muss sie nur sehen können.
Alle Fotos © Cora Gollackner
Es sind nicht nur die kunstfertigen Grabdenkmäler, sondern manchmal auch das Morbide, der Verfall und vor allem auch die Natur, die diese Orte auszeichen: Erhabene Bäume, blühende Pflanzen und Tiere wie Eichhörnchen, seltene Vögel oder auch Katzen. Friedhöfe sind ein eigener Mikrokosmos in dem die Uhren anders laufen.
Ein Buch für Trauernde
„Wer so viel Herzblut in sein Hobby steckt, sollte es auch nach außen tragen." Das dachte sich auch Dr. Sangati Katzler-Rohr, als sie Cora Gollackner eine Zusammenarbeit für ihren Gedichtband anbot. Cora erinnert sich: „Sie war eine geschätzte Kundin von mir und hat mir Ihr Buch „Meditatio“ vor 20 Jahren geschenkt. 2024 haben wir uns dann wieder getroffen und so entstand die Idee für das gemeinsame Projekt.“
Buchcover "SILENTIO" der Autorin Dr. Sangati Katzler-Rohr mit Originalfoto (rechts) © Cora Gollackner
Das Buch mit dem Titel „SILENTIO“ wird in Bälde veröffentlicht und enthält neben berührenden Gedichten, die das Trauern in stille Dankbarkeit verwandeln, auch atmosphärische Fotos von Cora Gollackner. Es ist als Begleiter für Trauernde gedacht und dann auch direkt bei Steinmetz Gollackner in der Nonntaler Hauptstraße erhältlich.
Steinmetz im Blut
Cora Gollackner wurde in eine Salzburger Steinmetzfamilie hineingeboren, deren Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen. Den Beruf erlernte sie 1984 als eine der ersten Frauen in diesem Handwerk in Österreich. Seit knapp vier Jahrzehnten bildet sie zusammen mit ihrem Bruder Albert den Kern des Familienbetriebes Steinmetzmeister Fritz Gollackner. Anfangs arbeitete sie in der Werkstatt, wechselte aber bald in die Kundenberatung für Grabdenkmäler. In dieser Funktion entwickelt sie gemeinsam mit den Angehörigen individuelle Lösungen für Grabstätten.
Wichtig sind ihr Empathie für die Situation der Trauernden und die Freude an der Arbeit: „Ich mache meinen Beruf sehr gerne und bin glücklich und dankbar, wenn ich für unsere Kunden einen würdevollen Ort des Gedenkens schaffe, wo sie mit ihren Verstorbenen Zwiesprache halten können.“



































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