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  • Christian Messmer

Der Untersberg – Eine Geschichte von Afrika, Höhlen, Mystik und Marmor

Der Untersberg ist ein ganz besonderer und vielfältiger Berg. Er zeigt sich als beliebtes Wanderziel, Marmorlieferant, Terrain für Höhlenforscher, spiritueller Energieplatz und Bühne für Sagen und Mythen. Wir haben uns dem Untersberg auf mehrfache Weise angenähert und versuchen zu verstehen, was die Faszination dieses Berges ausmacht.

Arkardengang mit Grüften am Salzburger Kommunalfreidhof
Foto: Albert Gollackner

Geboren in Afrika

Die heute majestätische Erhebung des Untersbergs ist schon von Weitem ein imposanter Anblick. Selbst vom oberen Innviertel aus thront er als mächtiges Bollwerk der Alpen über das Alpenvorland. Doch wie alt ist er überhaupt? Wie ist er entstanden?

Quelle: Wassergenossenschaft Grödig

Die Entstehungsgeschichte des Untersbergs reicht ca. 250 bis 320 Millionen Jahre vor unserer Zeit zurück. Damals wurde der jetzige Kalkstein in einem flachen Meer am Nordrand des afrikanischen Kontinents abgelagert. Angetrieben durch die tektonische Plattenverschiebung verschoben sich während der Gebirgsbildung der Alpen die mächtigen Gesteinspakete weit nach Norden. Über viele Jahrmillionen entstand so der Salzburger Untersberg.


Der Höhlenberg

Heute hat der Untersberg eine Ausdehnung von ca. elf Quadratkilometern mit einem Plateau zwischen 1.500 und 1.900 m Seehöhe. Unter diesem Plateau befinden sich auch zahlreiche große Höhlen wie die „Riesendinghöhle“ mit 22,6 Kilometern Länge und 1.149 Metern Tiefe die derzeit tiefste und längste Höhle Deutschlands. Deutschlands? Ja, zwei Drittel des Untersberges liegen auf deutscher Seite.

Bild Kolowratshöhle: Georg Pezolt 1849

Auf österreichischer Seite liegt zum Beispiel der Zugang zur Kolowratshöhle, die Teil eines noch gewaltigeren 44,9 km langen Höhlensystems ist. In diese ganzjährige Eishöhle stiegen die Salzburger früher sogar zum Eislaufen hoch. Durch die Vergrößerung des Eingangsloches erwärmte sich die Höhle leider zusehends und ein Großteil des Eises schmolz. Viele Untersberghöhlen sind erst teilweise oder noch gar nicht erforscht, sodass sich Höhlenforschern hier noch viele Jahre Forschungsterrain bietet.


Dunkelheit und Licht

Den Untersberg umgibt seit jeher eine Aura des Mystischen. Davon zeugen viele Sagen und Legenden wie die bekannte Sage von Karl dem Großen, der tief unterm Berg schläft. Dort heißt es, dass sein Bart bereits zwei Mal um einen Tisch gewachsen sei, so lange verweilt er schon dort. Dabei müsse er noch so lange ausharren, bis die Raben nicht mehr um den Untersberggipfel fliegen und die letzte Schlacht zwischen Gut und Böse stattfindet. Die Unterwelt des Berges birgt Mythen von Bergmenschen, Zwergen oder Zeitlöchern. Eine Sage handelt von einer Hochzeitsgesellschaft, die einem Zwerg in eine Höhle zum Festmahl folgt, im Untersberg verschwindet und erst 500 Jahre später wieder auftaucht. Diese Geschichte hat wohl auch einen wahren Kern, denn jedes Jahr verunglücken hier Wanderer und allein in den letzten hundert Jahren sind rund 40 Menschen am Untersberg verschwunden. Der Berg hat aber auch eine hell erleuchtete Seite. Laut Dalai Lama ist er das Herzchakra Europas – ein besonderes Energiezentrum im Energienetz der Erde. Mystiker, Spiritualisten und Schamanen nutzen diesen Energieplatz und sehen im Untersberg ein Tor zu einer anderen Welt.


Untersberger Marmor

Der Untersberg besteht zum größten Teil aus Dachsteinkalk und Dolomit. An seinem Nordrand gibt es ein besonderes Kalksteinvorkommen – den Untersberger Marmor. Aber was heißt hier eigentlich Marmor?! Dieser entstand im Lagunenbereich eines Urzeitmeeres und wurde im Laufe der Zeitalter zermahlen und durch Kalzit verkittet. Der Untersberger Marmor ist also per Definition kein echter Marmor (dieser entsteht erst durch Umwandlung bei hohem Druck und hoher Temperatur), sondern ein Kalkkonglomerat und damit eine Vorstufe von Marmorgestein. Dieser schleifbare Kalkstein kann aber wie Marmor verarbeitet werden und ist wahrscheinlich der am längsten genutzte Naturwerkstein im mitteleuropäischen Raum.

Berühmt ist vor allem der helle sogenannte Forellenmarmor mit Einschlüssen aus rotem Jurakalk. Abgebaut und verwendet wurde der Untersberger Marmor bereits von den Römern und später von den Salzburger Erzbischöfen. Er findet sich in vielen bedeutenden Bauten in und um Österreich wie im Stephansdom, im österreichischen Parlament und der Kaisergruft in Wien, aber natürlich auch in Salzburg im Marmorsaal und der Engelsstiege des Schlosses Mirabells, sowie im Salzburger Dom, Residenzbrunnen, Pferdeschwemme oder in Hellbrunn. Auch in Berlin, Bonn, München (Justizpalast) oder Regensburg (Walhalla) ist Untersberger Marmor verbaut. Sogar an der Eiger-Nordwand hängt eine Gedenktafel aus Untersberger Marmor. Sie wurde 2014 angebracht in Erinnerung an Bertl Gollackner (aus der Steinmetzfamilie Gollackner), der hier bei einem Erstbesteigungsversuch am 19. Juli 1937 tödlich verunglückte. Aktuell gibt es nur noch zwei aktive Marmorsteinbrüche am Untersberg.


Der Steinmetzmeisterbetrieb Fritz Gollackner arbeitet seit Generationen mit diesem besonderen Stein. Hier können Sie Ihr ganz persönliches Stück Untersberger Marmor nach Wunsch formen lassen.







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