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  • Christian Messmer

Geheimnisse des Salzburger Kommunalfriedhofs

Aktualisiert: Sept 15

Der Kommunalfriedhof ist ein schöner Ruheort für Verstorbene und Lebende. Seine Geschichte zeugt vom Leben und Sterben der Salzburger. Der Steinmetzbetrieb Fritz Gollackner begleitet diese Geschichte von Beginn an und ist damit einer der ältesten noch immer tätigen Steinmetze in Salzburg. Der Salzburger Kommunalfriedhof hat viele Geschichten zu erzählen. Einige davon sind nur wenigen bekannt ...


Arkardengang mit Grüften am Salzburger Kommunalfreidhof
Arkardengang mit Grüften | Foto: Georg Strobl

Die Geschichte des Kommunalfriedhofs

1857 waren die Stadtfriedhöfe Salzburgs überfüllt und ein neuer Friedhof wurde gesucht. Eine Kommission trat zusammen mit dem Ziel, einen geeigneten Standort für den neuen Friedhof zu finden. Dreizehn Jahre lang stritten Experten, Stadtväter und Interessensvertreter. Erst sah es aus, als würde man in Maxglan fündig werden, dann in Itzling. Als man sich endlich auf eine Erweiterung des St.-Sebastians-Friedhofs einigte, scheiterte dieser Plan am Widerstand der Anwohner. Dann stand das Sandbichlgut in Gneis zum Verkauf. Die Stadt überlegte nicht lange und erwarb das große Areal im Jahr 1870. 1878 fand die Eröffnung statt und 1879 die offizielle Freigabe für die Allgemeinheit. Zuvor gab es aber teils heftige und öffentlich geführte Streitereien wegen der geplanten Freigabe aller Grabplätze für alle Religionen ohne Trennung. Die Stadt lies sich davon aber nicht beirren und benannte wohl auch deshalb den Friedhof „Kommunalfriedhof“ – ein letzter und offener Ruheort für alle. Der Platz für den Friedhof war sehr gut gewählt, denn es bestand hier keine Gefahr für das Grundwasser. Die Überschwemmungssicherheit und gute Erreichbarkeit war gegeben und das Wachstum der Stadt wurde nicht beeinträchtigt.



Besondere Architektur

Der Kommunalfriedhof gilt als einer der schönsten Friedhöfe Europas! Die roten Backsteinmauern aus roh behauenem Konglomeratsteinsockel und Wienerbergziegeln, die beeindruckenden Portale, die stimmungsvollen Arkaden, die kunstvoll geschmiedeten Tore und der wundervolle Parkcharakter – alles zusammen ergibt ein Gesamtkunstwerk, in dem Grabstätten und Natur auf symbiontische Weise miteinander verbunden sind. Bereits vor dem eigentlichen Friedhof hat man ein großzügiges Entree geschaffen. Im Zentrum dieses Platzes steht ein im Zweiten Weltkrieg zerbombter Obelisk. Auch im inneren Friedhofsbereich gab es massive Bombenschäden, sodass vieles zerstört wurde. Erwähnenswert ist vor allem auch das imposante Hauptportal mit dem wohl größten schmiedeisernen Tor in unserer Region (4,5 x 6 Meter). Richtung Friedhofszentrum gelangt man zum großen Kriegerdenkmal aus dem Jahr 1924. Hier werden nach Osten auch alte und neue Aussegnungshalle sichtbar. Im südlichen Teil steht das Krematorium aus dem Jahr 1931.

Skulptur am Kommunalfriedhof (links) und an ursprünglicher Position auf der Aspernbrücke (rechts)

Am gesamten Gelände sind viele kunstvolle Grüfte, Gräber, Malereien und Skulpturen zu entdecken, wie zum Beispiel die große Engelsskulptur von Franz Melintzky im anonymen Urnenfeld. Diese stand ursprünglich mit drei weiteren Figuren auf den Pfeilern der ersten Aspernbrücke in Wien. Wie die Figur nach der Zerstörung der Brücke nach Salzburg kam, ist bis heute ungeklärt ...



Berühmte Gräber

Unter den zahlreichen begrabenen Persönlichkeiten am Kommunalfriedhof befindet sich auch das Grab von Laszlo Ede Graf Almásy.

Graf Almásy | Foto: Alexander Berger

Kennen Sie nicht? Sein abenteuerliches Leben wurde verfilmt und mit neun Oscars prämiert. Er war „Der englische Patient“, gespielt von Ralph Fiennes. Berühmt ist Graf Almásy vor allem für eine besondere Entdeckung. Er durchquerte 1932 mit einer Expedition die Sahara per Auto und Flugzeug. Dabei entdeckte er die verschollene Oase von Zerzura mit den berühmten prähistorischen Felszeichnungen von schwimmenden Menschen. Ein erster Beweis für eine früher fruchtbare Wüste.


Weitere verstorbene Berühmtheiten am Kommunalfriedhof sind beispielsweise Oscar Baumann (Afrikaforscher), Karl Heinz Böhm (Schauspieler und Gründer von „Menschen für Menschen“), die Familie Ceconi (berühmte Baumeister und Architekten in Salzburg), Hanna Reitsch (Flugpionierin), Carl Spängler (Gründer der Spänglerbank) oder z.B. auch die Nichten Mozarts.



Der Kommunalfriedhof in Zahlen

Der Kommunalfriedhof ist der mit Abstand größte Friedhof Salzburgs. Auf ca. 25 Hektar Fläche sind über 22.000 Grabstellen angelegt. Jährlich werden hier rund 1.300 Bestattungen vollzogen – als Gruft-, Erd- und Feuerbestattungen, aber auch in Kolumbarienanlagen, Urnenstelen sowie als halbanonyme Baumhain- und anonyme Urnenwiesen-Bestattung. Der Kommunalfriedhof ist als großzügige Parkanlage angelegt. Insgesamt ca. 1.800 Bäume (viele davon alte Laubbäume) sind im und um das Gelände angepflanzt und sorgen für den jahreszeitlichen Charakter und erholsamen Flair des Geländes. Hier kann man nicht nur still den Verstorbenen gedenken, sondern auch eine kleine Auszeit vom stressigen Stadtleben genießen und dabei auch Eichhörnchen und Vögel bei ihrem täglichen Werk beobachten.

Luftbild vom Kommunalfriedhof (google maps)

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