Rätselhafte Botschaften auf Steinen
Aktualisiert: 23. Sept.
Steine waren der Untergrund auf dem die ersten Malereien und Schriften vor Tausenden Jahren festgehalten wurden. Im Lauf der Zeit haben sich die Botschaften auf Stein mit den Menschen weiterentwickelt – vor allem auf Gräbern. Neben den gängigen Symbolen, wie Kreuzen, Engeln, Rosen usw. existieren aber auch solche, die nur diejenigen verstehen, die eingeweiht sind oder intensiv nachgeforscht haben. Wir wollen diesen rätselhaften und teils auch geheimen Hinterlassenschaften nachforschen und versuchen die Nachrichten dahinter zu entschlüsseln.

Begegnungen mit Freimaurern
Die Symbolik der Freimaurer ist auch am Friedhof weit verbreitet. Zu den gängigen Zeichen gehören etwa Zirkel und Winkel – die Werkzeuge der ersten Freimaurer (Steinmetze des Mittelalters), mit denen sie Gebäude, aber auch den Charakter auf stabile Säulen stellten. Auch oft zu finden ist das sehende Auge, welches Wahrheit und Weisheit symbolisiert – wichtige Tugenden des Geheimbundes. Das Auge wurde bereits früher im Christentum verwendet (Auge des Herrn) und ist in Verbindung mit einem Dreieck als Sinnbild der Dreifaltigkeit zu verstehen. Das Dreieck (auch Pyramide) interpretieren die Freimaurer aber als Feuerzeichen und die Aufklärung der Wissenschaft. Auge und Dreieck finden sich in zahlreichen Kirchen, auf Wappen aber auch auf der Ein-Dollar-Note der USA. Besonders auffällig sind die Freimaurersymbole Totenkopf und Pentagramm: Der Totenkopf spiegelt die Vergänglichkeit des Lebens wider und soll daran erinnern, die Lebenszeit sinnvoll zu nutzen. Das Pentagramm im Geheimbund hat nichts mit Teufelsanbetung zu tun. Es ist das Symbol des fünffach gebrochenen Lichtstrahls, dessen Anfang zu seinem Ende zurückführt. Dieses Licht der Erkenntnis steht für das Streben nach dem Guten im Menschen. Noch geheimnisvoller sind die drei Punkte, welche hinter Abkürzungen stehen. Die Interpretation ist bis heute umstritten. Manche deuten sie als Markierung für ein heiliges Wort, andere sehen darin nur die Übernahme eines alten Schriftsetzerbrauches. Dass es sich hierbei womöglich um ein Symbol für die drei Kardinaltugenden „Selbsterkenntnis, Selbstbeherrschung und Selbstveredelung“ handelt, kann nicht bestätigt werden.
Freimauersymbole | © Albert Gollackner
Abgelegte Münzen und Steine
Haben Sie schon einmal bemerkt, dass auf manchen Gräbern kleine Steine oder Münzen liegen? Diese liegen nicht einfach nur so da, sondern haben einen tieferen Sinn. Bei den Steinen, die auf Gräbern hinterlassen werden, handelt es sich um einen jüdischen Brauch. Bei jedem Besuch verbeugt man sich in Respekt vor dem Grab und legt dann einen Stein ab. Dies zeigt den Hinterbliebenen, dass sie nicht allein sind und auch noch andere an den Verstorbenen denken.

Jüdisches Grab mit Steinen | © Albert Gollackner
Ähnlich verhält es sich bei den Münzen auf US-amerikanischen Militärgräbern. Auch hier geht es um ein Zeichen an die Angehörigen und andere Besucher der Gräber, wobei dieser Brauch etwas detailliertere Botschaften in sich trägt. Es geht nämlich auch darum, welche Münze man auf das Grab legt! Ein Penny ist das Zeichen, dass jemand das Grab besucht hat. Ein Nickel heißt, dass der Besucher zusammen mit dem Verstorbenen den Grunddienst absolviert oder mit ihm gedient hat. Ein Dime weist darauf hin, dass man in einer gemeinsamen Einheit war. Ein Quarter ist ein Hinweis darauf, dass man dabei war, als die Person verstarb. Ursprünglich kommt dieser Brauch aus dem antiken Griechenland, wo man den Toten Münzen für die Bezahlung der Überfahrt in die Unterwelt hinterlegte. Im Vietnamkrieg war die politische Lage in den USA angespannt. Soldaten zeigten mit dieser diskreten Geste, dass, trotz der Kritik am Krieg, jemand hier war. So entstand eine Tradition, die bis heute andauert. Auch am Kommunalfriedhof in Salzburg ist der Brauch der Münzablage zu beobachten.

KI-Symbolbild
Symbole für Berufe & Gruppen

Begegnet man einem Symbol mit einem Schwert über einer dreieckigen Österreichflagge und Fallschirm sowie Flügeln, dann handelt es sich um das Grab eines Mitglieds des Jagdkommandos des Österreichischen Heeres. Dieses ist zuständig für Terrorismusbekämpfung und Geiselbefreiungen sowie Einsätze in Krisen- oder Kriegsgebieten.

Eine Schlange um einen Stab, der sogenannte Äskulapstab, geht auf den griechischen Gott der Heilkunde, (Äskulap) zurück – es ist ein etabliertes Symbol für Medizin. Wird das Zeichen mit einem „V“ ergänzt, sind Veterinäre gemeint. Schlange und Schale stehen für einen pharmazeutischen Beruf. Die Schlange verkörpert Wissen und Heilung, die Schale die Zubereitung der Heilmittel.

Bauerngräber zeigen je nach Region oft die Früchte ihrer Felder. So sind die Gräber von Weinbauern aus Niederösterreich gerne mit Weintrauben verziert und jene in anderen Anbaugebieten mit Weizenähren usw.

Burschenschaften arbeiten mit ineinander verschlungenen Buchstaben, welche die Abkürzungen des Verbindungsnamens und eines Wahlspruchs wie z. B. „Ehre, Freiheit, Vaterland“ darstellen. Ein weiteres Erkennungszeichen, das nachgesetzte Rufzeichen, geht wohl auf diesen Spruch zurück: „Vivat! Crescat! Floreat!“ („Er lebe, wachse und erblühe!“).

Der Davidstern ist ein eindeutiges religiöses Zeichen für das Judentum. Begleiten ihn aber zwei Fische, dann weist das auf Adar, den letzten Monat im jüdischen Kalender, hin. Die beiden Fische sind dabei in entgegengesetzte Richtungen dargestellt. Diese Dualität spiegelt etwas Konkretes wider: Adar kann in einem Schaltjahr zweimal vorkommen.
Persönliche Botschaften
Viele Menschen hinterlassen Zeichen, die etwas über den Toten sagen, aber nur von Eingeweihten entschlüsselt werden können. Hier ist dem Interpretationsspielraum viel Platz geboten. Bei der Eule (Weisheit) tut man sich noch leicht, aber bei anderen Dingen schon schwerer. Was bedeuten Sandalen, ein Gehstock, ein Kleeblatt und die Inschrift VERITAS? Die Suche nach der Wahrheit und dass man dafür auch etwas Glück braucht? Oder dass der Weg die einzige Wahrheit ist? Was wollen uns acht Raubkatzen sagen, die einen Menschen anknurren? Vieles bleibt ein Rätsel.
Können Sie alle Symbole entschlüsseln? | © Albert Gollackner
Auch die Themen Esoterik und Astrologie finden sich auf Gräbern. Um jede Interpretation zu vermeiden, hinterlassen manche heutzutage einen QR Code, damit man sich über den Verstorbenen online ein Bild machen kann oder einfach nur ein Smiley, weil man dem Tod mit einem Augenzwinkern entgegentritt?
Es stecken mehr Botschaften auf Steinen, als man glaubt. Machen Sie sich selbst ein Bild davon beim nächsten Besuch am Friedhof ...




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